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DIW: Immer mehr Erwerbstätige pflegen nebenbei Verwandte oder Bekannte

Der neue Wochenbericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) macht deutlich, wie stark die Versorgung pflegebedürftiger Menschen in Deutschland auf der informellen Betreuung durch Angehörige und Bekannte beruht. Ein Großteil der Pflege lastet, dem Bericht von Johannes Geyer und Erika Schulz auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zufolge auf Personen im erwerbsfähigen Alter: 2,5 Millionen von insgesamt vier Millionen informell Pflegeleistenden waren im Jahr 2012 zwischen 16 und 64 Jahre alt – Tendenz steigend.

„Informelle Pflege“ durch Verwandte und Bekannte ist ein wichtiger Pfeiler des Gesundheitssystems

Das deutsche Pflegesystem ist in erheblichem Maße abhängig von Menschen, die sich um pflegebedürftige Angehörige oder Freunde kümmern. Solch informelle Pflegetätigkeiten erbringen zwischen fünf und sechs Prozent aller Erwachsenen in Deutschland, wie Berechnungen des DIW Berlin auf Grundlage von Daten des SOEP für die Jahre 2001 bis 2012 ergeben. Rund 60 Prozent davon sind im erwerbsfähigen Alter. Der Anteil der Erwerbstätigen an den informell Pflegenden ist gestiegen, von knapp 53 auf fast 66 Prozent. „Da die Zahl der Pflegebedürftigen angesichts der alternden Bevölkerung weiter zunehmen dürfte, kommen auf pflegende Personen im erwerbsfähigen Alter immer mehr Pflegetätigkeiten zu“, schreiben die Studienautoren Johannes Geyer und Erika Schulz. „Gleichzeitig sollen sie durch eine höhere Erwerbsbeteiligung und mehr Arbeitsstunden auch den Rückgang der Erwerbsbevölkerung infolge des demografischen Wandels abmildern. Die Frage nach der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf wird also massiv an Bedeutung gewinnen.“

Bereits im Jahr 2012 leisteten vier Prozent der Männer und sieben Prozent der Frauen im Alter zwischen 16 und 64 Jahren mindestens eine Stunde pro Werktag informelle Pflege. In den älteren Erwerbsjahren lagen die Anteile noch deutlich höher. Vollzeitbeschäftigte pflegten im Jahr 2012 zu einem geringeren Anteil (vier Prozent) als Teilzeit- und geringfügig Beschäftigte (je etwa 8 Prozent) – gestiegen ist er gegenüber 2001 aber in allen drei Gruppen. Fast 28 Prozent der erwerbsfähigen Pflegeleistenden kümmerten sich 2012 jeden Tag drei oder mehr Stunden um Bedürftige.

Die SOEP-Daten zeigen zudem, dass eine Pflegetätigkeit die allgemeine Lebenszufriedenheit und auch die Zufriedenheit mit der sozialen Sicherung verringert. Einen Zusammenhang mit der Kombination von Pflege und Beruf konnten die DIW-Forscher gleichwohl nicht finden. Dennoch sollte die Politik die Vereinbarkeit verbessern und die Sichtbarkeit bestehender Leistungen erhöhen, fordern Geyer und Schulz. Das Pflegezeitgesetz oder die Familienpflegezeit würden bisher kaum genutzt und seien vielen pflegenden Angehörigen unbekannt.

(Quelle: DIW, 02. April 2014)

Den DIW Wochenbericht zum Download finden Sie hier.

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