Online-Veranstaltungsreihe zum Aktionstag 2021: Soziale Innovation in KMU durch Mindful Leadership

22. bis 24. Juni 2021

Selbstführung, Achtsamkeit, Resilienz. Schlagworte, die immer mehr Raum in der Unternehmenswelt finden und die Unternehmenswerte und –kulturen formen und verändern.

Die Aktualität und Progressivität der Thematik nahm das Kompetenzzentrum Frau & Beruf Bonn/Rhein-Sieg als Anlass, eine dreitägige Online-Veranstaltungsreihe anzubieten.

Das vielfältige Programm beinhaltete Impuls-Vorträge, Workshops, Bewegungseinheiten und interaktive Gruppenarbeiten. Eine bunte Mischung von Experten*Innen aus dem Coaching, Entertainment und Psychologie-Bereich waren zu Gast. Titelinhalte wie „Führungskraft in der Zukunft“, „Mutausbruch“ oder auch „Mindful Leadership und Elternkompetenz“ begeisterten die Teilnehmenden und motivierten zur Umsetzung in den eigenen Unternehmen oder auch persönlich für die eigene Führungskompetenz.

Zum Auftakt der Fokus auf mehr Gelassenheit am 22. Juni 2021

Zu Beginn des ersten Tages nahm Franz Hammer von BGMneo die Teilnehmenden mit auf eine Reise zu mehr Fokus und Gelassenheit. Mit verschiedenen Achtsamkeitsübungen während seines Workshops und anhand unterschiedlicher Studien veranschaulichte er, wie wichtig die Persönlichkeitsentwicklung in den letzten Jahren geworden ist.

80 % der Fortbildungen zu Themen der Persönlichkeitsentwicklung

Die Basis guter Personalführung sei immer gute Selbstführung. So legte Franz Hammer, für den ersten Teil seines Workshops, den Schwerpunkt auf das Thema Selbstfürsorge und Achtsamkeit. Anhand von Studien zeigte er, dass die Aufmerksamkeitsspanne eines Menschen nur 80-110 Minuten anhalte und somit es nicht nur gesund für den Mitarbeitenden sei, sondern auch für das Unternehmen wichtig sei, regelmäßige Pausen einzuplanen.

Vom Leistungsdruck, mit mehr Achtsamkeit, hin zu einer positiven Kommunikation nach Innen

Franz Hammer erläuterte, dass noch vor einigen Jahren das Thema Achtsamkeit eher esoterisch angehaucht war, es jedoch zunehmend Nachfrage von Unternehmen zu diesem Themenbereich gebe. Anhand seiner eigenen Biografie erläuterte er, wie er vom Leistungschwimmer, über eine Physiotherapeutische Ausbildung, immer mehr zum Hinterfragen seiner Glaubensgrundsätze gekommen ist.      

Mit unterschiedlichen Gedankenspielen zeigte er den Teilnehmenden die Macht von Gedanken. Anhand einer Harvard Studie untermauerte er seine Aussage, dass 60% des Denkens mit Gedanken des Mangels beschäftigt seien. Und verwies darauf, dass diese negativen Gedanken für die Überfüllung der psychosomatischen Kliniken verantwortlich seien, denn das Gehirn schütte, so Franz Hammer, die gleichen Hormone aus, wenn eine Sache reell passiere oder wenn der Mensch sie sich nur vorstelle. 

Nach einer Mikro-Pause und mit einer Kurzgeschichte über zwei Wölfe zeigte er schließlich die Macht, die eine positive Lebenseinstellung und der Wille, die Verantwortung für sich selber zu übernehmen, hat.

 

Jeder Mensch hat die Möglichkeit zu entscheiden

Er nahm gekonnt die Teilnehmenden mit auf die Reise vom OPFER zum SCHÖPFER und verwies auf die innere Kraft und Ruhe und den achtsamen Umgang mit sich selber. Hierbei bezog er sich zurück auf die zwei Wölfe aus der Geschichte, die sich streiten und erläutert, dass diese zwei Wölfe in unserem Herzen streiten und der gewinne, den man selber füttere.

Franz Hammer erläuterte den Begriff Pathogenese – was macht mich Krank – und regte an zu einem Umdenken, hinzu der Frage – was hält mich gesund – der Salutogenese.

Mit drei Schritten: 1. Handhabbarkeit – was kann ich jetzt tun?, 2. Verstehbarkeit – ich verstehe, was jetzt gerade passiert und 3. Sinnhaftigkeit – gibt das, was ich gerade tue, für mich einen Sinn? Schlug er gekonnt die Brücke zurück zur Achtsamkeit und erläuterte, was sich hinter diesem großen Begriff verberge.

Den Moment wahrnehmen ohne zu urteilen

Er erklärte, dass es sich nicht um Entspannung handele, sondern um das wache beobachten des Momentes, ohne sprunghafte oder sich festkrallende Gedanken.

Es gibt nur einen reellen Moment – Jetzt

Achtsamkeit sei eine Lebenseinstellung und mit Achtsamkeitsübungen könne man diese Einstellung trainieren. Mit stetiger Wiederholung komme man dazu alte Denkmuster zu durchbrechen, das Scheuklappenprinzip abzulegen und den Moment in Gänze wahrzunehmen und anzunehmen.

Er schlug gekonnt die Brücke zur achtsamen Führung und erklärte, wie man Mitarbeitende wieder in die Kraft bringen kann, motiviert und eigenverantwortlich zu arbeiten.

Mit 6 Schritten: 1. Motivation – Motiv/Mission, 2. Verantwortung – Wie übernehme ich Verantwortung – Führungskraft/Mitarbeitender, 3. Blockaden lösen – Kommunikation mit Empathie, 4. Erkennen der eigenen Macht – Wille = Kraft, 5. Bewusster Umgang mit mir selbst – wohlwollend/ anerkennet und schließlich 6. Persönlichkeitsentwicklung – reinreifen in mehr Achtsamkeit.

Auch für die Interaktion zwischen Führungskraft und Mitarbeitendem oder zwischen Mitarbeitenden verwies er auf die Achtsamkeit, denn er verwies darauf, dass Menschen häufig Reiz – Reaktionsmaschinen seien. Hier plädierte er für einen Raum für ein – Stopp – für einen Schritt zurück, zu einem Bodyscan – und der Frage: was ist Situationsangemessen und welches Bedürfnis wird gerade verletzt, dass diese Emotion ausgelöst wird. Hier zu erläuterte Franz Hammer die RAIN Methode. Recognize – Erkennen, Allow – Erlauben, Investigate – untersuchen, Non identify – sich nicht mit dem Reaktionsmuster zu identifizieren – Das Ziel ist die Selbstregulation.

Abschließend gab er einige Tipps für einen achtsamen Umgang mit sich selber und mit anderen. 

Franziska Glaser - Rampensau

Nach einer bewegten Pause, mit Kurzvideos der Physiotherapie Lazarev, begann Franziska Glaser ihren energiegeladenen Workshop „Mutausbruch“. Die Mentorin, Moderatorin und Stand Up Comedian ermutigte die Teilnehmenden Vorhaben, ob klein oder groß, einfach umzusetzen und sich nicht selber im Weg zu stehen.

Anhand verschiedener Übungen zeigte sie anschaulich, was es alles braucht um MUT zu haben. Das „Machen“- Dinge einfach umsetzten – , das „Umfeld“ – sich Menschen suchen, die einen bei seinem Vorhaben unterstützen – und den „Traum“ – die Vision entwickeln, sich seiner eigenen Träume und Ziele wieder bewusst zu werden. 

Sie erläuterte anhand einer Reise in die Kindheit, woher unsere häufige Mutlosigkeit kommt, denn von Beginn an wird einem gesagt was man machen soll und was nicht. Vielen Menschen schaffen es nicht sich aus diesem passiven Sein zu befreien und eigenen Entscheidungen zu fällen, sie bleiben gefangen im Leitfaden von außen.

Anschaulich und mit Humor machte sie den Teilnehmenden deutlich, dass nichts sicher ist und knüpfte an den vorherigen Workshop an und verdeutlichte, dass Veränderung nur im Jetzt und bei einem selber anfangen kann.

Sie ermutigte die Zuhörer sowohl das zu feiern, was man selber erreicht hat, als auch Fehler zu machen und diese als Helfer für Weiterentwicklung anzunehmen. Der ständige Vergleich mit anderen sorge für ein Verharren in der Opferrolle und nehme einem die Chance sich in seinem eigenen Tempo zu entwickeln.

Schließlich zeigte sie mit einem eingebauten Video über eine Fankurve im Fußballstadion, wie sehr Mut ansteckend sein kann und ermutigte die Teilnehmenden ihrem „Mutmuskel“ mehr zu trainieren mit kleinen, sich steigernden Übungen. 

Die Teilnehmenden beenden diesen ersten Tag inspiriert, motiviert und überzeugt ihren Weg selbst bestimmen zu können.

Achtsame Selbstführung und Elternkompetenzen

Der 2. Veranstaltungsvormittag startete mit Daniel Rieber (WEVOLVE), der in seinem interaktiven Webinar zum Thema „Achtsame Selbstführung in Zeiten von Veränderungen“ zunächst alle Teilnehmenden mit Achtsamkeitsübungen erdete um dann die Herausforderungen der aktuellen Zeit zu erörtern.

Home-Office, die Definition von Achtsamkeit sowie Forschungsbasierte neue Führungsgrundlagen wurden thematisiert. Ebenso der Unterschied zwischen gestresstem und fokussiertem Verhalten und wie wichtig es ist, regelmäßig „den Pause-Knopf“ zu drücken. Achtsamkeit kann trainiert und in den Alltag und das Berufsleben integriert werden, wenn denn auch die Führungskräfte als Vorbild wirken. Selbstführung, sich selbst verorten – also wissen, wo man im Moment steht – ist dabei ebenso wichtig, wie Selbstmitgefühl. Wichtig zu beachten dabei ist, dass neue Verhaltensmuster immer einige Zeit der Wiederholung bedürfen, um sich zu festigen. Dabei sollte im Sinne der Selbstführsorge keine Frustration entstehen.

Daniel Rieber stellte das Mindful Leadership-Modell vor, das von Selbstwahrnehmung über Reflexion zur Aktion führt und welches vom eigenen Ich auf das Team und auf die Führung übertragen werden kann und sich gegenseitig beeinflusst.

Vereinbarkeit ist kein ausschließliches Mütterthema

Dass Vereinbarkeit uns alle in unterschiedlichen Lebensphasen, Ausprägungen und Problemsituationen betrifft, zeigte Dipl. Psychologin Corinna Kriebel auf. Dennoch lag der Fokus auf den „Perlen des Alltags“, den Elternkompetenzen, die im Unternehmen als Mindful Leadership eingebracht und umgesetzt werden können.

Das Leben in seiner ständigen Veränderung führt dazu, dass die Lösungen von heute nur temporär funktionieren und durch ihr Verfallsdatum neue Probleme schaffen. Daher sind Lösungen immer als Prozess zu sehen. Wie auch jede Führungskraft und alle Mitarbeitenden in Prozesse wie Digitalisierung, Mobilität oder Transformation eingebunden sind und zudem auch noch individualisierte Lebensumstände durchlaufen. Sich dessen bewusst zu werden, Kompetenzen der eigenen Person und der Mitarbeitenden zu erkennen und zu fokussieren ist wichtiger Bestandteil um kooperativ im Unternehmen New Work voranzutreiben

Die Sinnfrage als Basis von Human Potentials, die sich entfalten können müssen um ihre Fähigkeiten zu erweitern und den Unternehmenserfolg somit voranzutreiben.

Corinna Kriebels systemischer Ansatz „Mach mehr von dem was funktioniert“ statt immer zu fokussieren, was nicht funktioniert, führt automatisch zu einer Mindset-Öffnung neue Wege gehen zu wollen und zu können. Die Personalpsychologin gab den Teilnehmenden noch mit, dass es nie den EINEN Weg der Vereinbarkeit gibt. Aber den EIGENEN Weg.

„Vereinbarkeit ist eine Metakompetenz, die er zu erlernen gilt, die veränderbar bleiben darf und muss, damit sie gelebt werden kann.“

Führung in der neuen Arbeitswelt

Am 24. Juni 2021 schloss die Veranstaltungsreihe mit dem Vortrag „Führung der Zukunft und Resilienz“ der Senior Researcherin des Institutes der deutschen Wirtschaft, Zuzana Blazek ab.

Direkt zu Beginn machte sie deutlich, dass die Themen „neue Wege der Führung“ und „Resilienz“ zu den Top Themen der aktuellen Zeit gehören. Sie verwies auf die schon an den Vortagen thematisierte VUCA Welt. Dabei erläuterte Zuzana Blazek, dass unsere derzeitig von schnellem Wandel und Unsicherheiten geprägte Welt die Ursache für eine hohe Nachfrage Achtsamkeits-Coaching-Themen sei. Die Kunst bestehe in der Fähigkeit den Wandel zu erkennen, sich anzupassen, flexibel zu bleiben und immer wieder neu denken zu können.

Pandemische Zeiten als Katalysator neuer Arbeitsstrukturen

Sehr dynamisch zog sie ein Fazit aus der Corona Pandemie, die die Arbeitswelt stark verändert hat. Sie erläuterte die Konsequenzen des Home-Offices, sowohl positive als auch negative und beschrieb, dass die Zukunft in einer hybriden Arbeitsweise, also einem Weg zwischen Home-Office und präsentem Arbeiten, liegen wird. In den Tätigkeits-Bereichen, in denen das möglich ist, nicht alle Berufe lassen mobiles Arbeiten oder Heimarbeit zu.

Verlagerung der Gewichtung von Fach- und Führungskompetenzen

Hier schlug Zuzana Blazek die Brücke zur neuen Führung. Sie erläuterte, dass nicht nur das Arbeiten, sondern auch das Führen einem ständigen Wandel unterliegt. So werden Führungskräfte eher zu Veränderungsmanagern und Coaches. In der Führungsrolle werden zunehmend soziale Kompetenzen, wie Empathie und Kommunikationsstärke gefragt.

Diese Aufgabe erfordert ein hohes Maß an Resilienz, besonders durch die sich häufig überlappenden Lebensbereiche, des Arbeits- und Privatlebens.

Zuzana Blazek veranschaulicht die 5 Eckpfeiler zur Gestaltung des virtuellen Führungskontextes: 1. Vertrauen, 2. Technische Ausstattung, 3. Klare Kommunikation, 4. Selbstmanagement und letztlich 5. Empathie & Individualisierung.

Basis für eine gelungene Führung ist Vertrauen. Sowohl das der Führungskraft in die Mitarbeitenden, als auch anders herum. Egal ob aus der Ferne oder gemeinsam vor Ort. Im virtuellen Raum müsse die Falle des Kontaktverlustes insbesondere beachtet werden.
Dadurch wird die Motivation und das Selbstvertrauen der Mitarbeitenden derart gestärkt, dass  eine gelungene autonome Teamarbeit zu kreativer Weiterentwicklung der Unternehmensprozesse führen kann. Hierbei ist es wichtig auch eine Fehlerkultur zu etablieren, die bei der Führungsperson beginnt. Begleitet von einem Blick auf die individuellen Lebenssituationen der Mitarbeitenden.

Leitplanke Resilienz: Halt in uns selber

Das sich anschließende Thema „Resilienz“ wurde zu Beginn als psychische, trainierbare Wiederstandfähigkeit definiert. Die Referentin erläuterte, dass resiliente Menschen die Fähigkeit haben mit Krisen wirkungsvoll umzugehen, schwierigen Situationen mit Abstand zu analysieren, sie positiv für sich nutzen und auf innere Ressourcen zurückzugreifen. Sie reagieren situationselastisch.

Anhand der 7 Säulen der Resilienz, 1. Optimismus, 2. Akzeptanz, 3. Lösungsorientierung, 4. Selbststeuerung, 5. Verantwortung übernehmen, 6. Netzwerkorientierung, 7. Zukunftsplanung, verdeutlichte Zuzana Blazek anschaulich, was es braucht, um als Mensch, Führungskraft oder Unternehmen resilient zu werden.

Auch sie ging auf die Besonderheit Sinnhaftigkeit der Arbeit bei Führungskräften und Mitarbeitenden ein und erläuterte die Fokusverschiebung von der Frage „was macht krank“, hin zu der Frage „was hält gesund“.

Die Präsentation zeigte, dass Resilienz trainierbar ist und gibt verschiedene Beispiele, wie ein Training aussehen kann. Alle haben gemeinsam, dass die Selbstreflexion an ihrem Anfang steht und die Frage „was sind meine Ressourcen und Fähigkeiten, auf die ich zurückgreifen kann“.

Zuzana Blazek verdeutlichte, wie die Referenten*Innen an den Tagen zuvor, dass die Führungskräfte dies durchlaufen sollten, um als Vorbilder und Mutiplikatoren die Mitarbeitenden davon zu begeistern.

Ein resilienter Mitarbeitende machen noch kein resilientes Unternehmen

Das Ziel der resilienten Mitarbeitenden lässt sich jedoch auch auf ein ganzes Unternehmen übertragen, denn sind die einzelnen Mitarbeitenden resilient kann auch das Team und schließlich das Unternehmen resilient werden. Hierbei verwies Zuzana Blazek auf resiliente Strukturen und die organisationale Resilienz. Als einige Beispiele wurden gute Kommunikation, Netzwerke, Leitbilder und Werte genannt und die zentrale Rolle der Führungskräfte angeführt.

Zuzana Blazek verstetigte zum Abschluss der Veranstaltungsreihe das Ergebnis der 3 Tage, dass man selber der eigene Schöpfer und Former seiner Persönlichkeit ist. Veränderung, hin zu mehr Resilienz, immer bei einem selber beginnt und Führungskräfte hierbei positive Vorbilder sein können.

Programm Mindful Leadership

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