Thema des Monats August 2016

Lebensentwürfe junger Frauen und Männer

Welche Rolle im Leben junger Frauen und Männer spielen der Beruf, die Familie und die Gesellschaft?

Vielen jungen Frauen und Männern fällt es nicht leicht, ihren Lebensentwurf zu verwirklichen. Sie wollen anders sein als die anderen, wünschen sich Kinder, haben Angst vor Krieg, Terroranschlägen, Armut und Einsamkeit. Möglicherweise liegt dieses Problem an den hohen Erwartungen, die Politik und Gesellschaft an die jungen Männer und Frauen richten: Sie sollen eine gute Ausbildung oder einen guten Schulabschluss abschließen, erfolgreich in die Karriere starten, sich finanziell absichern, Altersvorsorge treffen und im Idealfall noch eine Familie gründen. Aber was ist mit den eigenen Wünschen und der eigenen Lebensgestaltung der jungen Frauen und Männern?

Mit diesen und vielen weiteren Fragen hat sich die Studie „Lebensentwürfe junger Frauen und Männern in Bayern“ (im Auftrag des Bayernforums der Friedrich-Ebert-Stiftung) ausführlich beschäftigt. Es wurden insgesamt 724 Personen befragt, darunter waren 423 Frauen und 301 Männer.

fotolia_vereinbarkeit_301x242Das tägliche Leben der Befragten setzt sich aus den Bereichen Freizeit, Beruf/Karriere und Familie/Freunde zusammen. Junge Frauen und Männer legen heutzutage viel Wert darauf, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen und sie wollen Kinder. Junge Frauen bewegen sich weit weg von dem Klischeebild der Hausfrau am Herd. Für sie ist es laut der Studie besonders wichtig „auf eigenen Beinen zu stehen“, „eine gute Ausbildung abzuschließen“ und „über freie Zeit für sich selbst zu verfügen“. Einige würden sogar einer Erwerbstätigkeit nachgehen, wenn sie nicht finanziell darauf angewiesen wären. Männer wollen nicht als Menschen gesehen werden, denen Familie und Treue nur wenig bedeutet und Frauen wollen weniger Zeit und Energie in die Hausarbeit stecken müssen.

77% aller Befragten wünschen sich im Alter von ca. 30 Jahren durchschnittlich 2 Kinder und 60% der Männer sowie 55 % der Frauen streben einen gelungenen Ausgleich zwischen Beruf und Familie an. Jedoch werden die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen dabei nicht als ermutigend angesehen. Denn meist sind es die Frauen, die nach der Geburt zuhause bleiben. Leider sind diese längeren Pausen wegen der Kinderbetreuung oft ein Karrierehindernis. Viele Frauen mussten laut der Studie am Beispiel ihrer eigenen Mutter erkennen, dass lange Auszeiten zu niedrigen Renten und eventuell sogar zur Altersarmut führen können. Ungefähr ein Drittel der befragten Frauen würde nach 12 Monaten Kinderbetreuung wieder anfangen zu arbeiten. 15% der befragten Männer möchten keine Elternzeit zur Kinderbetreuung antreten und ein Fünftel der befragten Männer würde nach nur 2 Monaten Elternzeit wieder in den Beruf einsteigen. Vor allem Männer haben die Befürchtung, dass sie „Steine in den Weg gelegt bekämen“, sobald sie sich ein wenig Zeit für die Familie nehmen würden. Ähnlich wie bei der Elternzeit, sieht es leider auch bei der Verteilung der Hausarbeit aus. Die typischen Tätigkeiten im Haushalt, wie Putzen, Waschen, Kochen etc. werden meist allein von Frauen erledigt, obwohl dies nicht den Wünschen der Frauen und Männer entspricht.

Babys: Lieb und teuer

Aber warum bleiben die Wünsche der Männer, mehr Zeit für die Familie und den Haushalt zu haben, unrealisiert? Die Studie hat ergeben, dass sich über ein Viertel der Befragten Männer unter Druck gesetzt fühlt, länger als vorgeschrieben zu arbeiten und über die Hälfte der befragten Männer arbeitet unter starkem Zeitdruck. Den Druck länger zu arbeiten und das Gefühl, dass die Anwesenheit erwünscht ist, empfinden Männer deutlicher als Frauen, insbesondere Männer ab einem Alter von 30 Jahren. 28% der Männer geben bei der Befragung an, in höheren Führungspositionen zu stehen. Diesen Erfolg erklären sich die befragten Männer damit, dass sie gerne „lenken, wo es hingeht“, dass sie immer „nach dem bestem Ergebnis streben“ oder eine „autoritäre Persönlichkeit besitzen“. Die Frauen sehen das ein wenig anders. Sie sind der Meinung, dass die Leistung von Frauen anders beurteilt wird als die Leistung der Männer und dass Frauen als Vorgesetzte weniger akzeptiert werden als Männer. Den Aussagen „Frauen wollen nicht in Führungspositionen sein“ oder „Frauen wären für den beruflichen Konkurrenzkampf nicht geeignet“ wird nicht zugestimmt, weder von Frauen, noch von Männern. So werden also hauptsächlich die Frauen in eine Rolle gepresst, in die sie gar nicht gehören wollen. Frauen haben eigentlich großes Potenzial für eine Führungsposition in der Erwerbstätigkeit. Sichtbar wird das am Beispiel des Familienzusammenlebens. Meist sind es nämlich die Frauen, welche die Rolle der Familienmanagerin einnehmen. In dieser Rolle sind sie für die Organisation zuständig, sie sorgen für den Familienzusammenhalt und sie sind hohen Belastungen ausgesetzt. Sind das nicht die besten Voraussetzungen für eine berufliche Führungsposition?

Was bedeuten die Ergebnisse der Studie für das Personalmanagement in Unternehmen?

Die Ansatzpunkte für diese Unzufriedenheiten des Personals liegen auf der betrieblichen Seite. Die Unternehmen müssen sich bewusst sein, wie wichtig die Beruf-Familie-Balance für das Wohlbefinden der einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und somit für die Produktivität der Firma ist. Also sollten die Unternehmer einen stärkeren Fokus auf die Wünsche der eigenen Mitarbeitenden legen. Immer mehr Männer wollen aus der Rolle des Haupternährers ausbrechen und sich mehr im Familienleben engagieren. Das wiederum schaffe der Partnerin Freiräume für eine berufliche Tätigkeit, und die Chance, beruflich mit den Männern gleichgesetzt zu werden, vergrößert sich. Der Anwesenheitsdruck müsste dafür von den Männern genommen werden. Die Bedürfnisse des Personals sollten mehr in den Mittelpunkt rücken, denn scheinbar erreichen die Gesellschaft und die Politik nicht die tatsächlichen Lebenserwartungen junger Frauen und Männer.

Die gesamte Studie zum Download finden Sie hier.

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